Roggenmehl – vom Feld bis zur Backstube

Wer Brot backt, beschäftigt sich früher oder später mit Mehl. Während Weizen oft im Mittelpunkt steht, ist Roggen seit Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil der deutschen Brotkultur. Viele der klassischen Brote, für die Deutschland bekannt ist, basieren auf Roggen oder zumindest auf einem hohen Roggenanteil.

Doch bevor aus Roggen ein aromatisches Sauerteigbrot wird, hat das Getreide bereits einen langen Weg hinter sich.

Roggen gilt als anspruchsloses und robustes Getreide. Im Vergleich zu Weizen kommt er mit kargen Böden und raueren Bedingungen deutlich besser zurecht. Deshalb wurde Roggen über viele Generationen besonders in Regionen angebaut, in denen Weizen nur schwer gute Erträge brachte. Gerade in Nord- und Ostdeutschland prägte er deshalb über Jahrhunderte die Brotkultur.

Im Laufe des Jahres wächst die Pflanze auf dem Feld heran, bildet ihre Ähren aus und wird schließlich geerntet. Nach der Ernte werden die Körner gereinigt und eingelagert. Bereits hier entscheidet sich ein Teil der späteren Mehlqualität. Witterung, Bodenbeschaffenheit und Erntebedingungen beeinflussen die Eigenschaften des Getreides und damit auch das spätere Backverhalten.

Nach der Lagerung gelangt der Roggen in die Mühle. Dort werden die Körner schrittweise vermahlen. Je nachdem, welche Bestandteile des Korns später im Mehl enthalten sind, entstehen unterschiedliche Mehltypen. Ein Roggenvollkornmehl enthält das gesamte Korn mit Schale und Keimling. Bei Typenmehlen wie dem häufig verwendeten Roggenmehl Type 1150 werden Teile der Randschichten entfernt.

Die Typenzahl gibt dabei Auskunft über den Mineralstoffgehalt des Mehls. Je höher die Zahl, desto mehr Schalenanteile sind enthalten und desto kräftiger fallen Geschmack und Farbe aus.

Spätestens in der Backstube zeigt sich dann eine Besonderheit des Roggens. Wer zuvor hauptsächlich mit Weizen gearbeitet hat, merkt schnell, dass sich die Teige völlig anders verhalten.

Während Weizenteige ihre Stabilität über das Glutengerüst aufbauen, funktioniert Roggen nach anderen Regeln. Roggenteige entwickeln kaum eine elastische Struktur und fühlen sich deutlich weicher an. Genau deshalb spielt Sauerteig beim Roggen eine so wichtige Rolle.

Die Säure des Sauerteigs sorgt dafür, dass die Stärke im Roggen während des Backens stabil bleibt. Ohne diese Säuerung würden viele Roggenbrote eine klitschige oder instabile Krume entwickeln. Deshalb gehören Roggen und Sauerteig seit Jahrhunderten zusammen.

Ein weiterer Vorteil von Roggen liegt in seiner Frischhaltung. Roggenbrote bleiben oft deutlich länger saftig als reine Weizenbrote. Gleichzeitig entwickeln sie kräftige Aromen, die besonders gut mit langer Teigführung harmonieren.

Vielleicht macht genau das Roggen bis heute so besonders. Aus einem robusten Getreide, das auf vergleichsweise einfachen Böden wächst, entstehen Brote mit Charakter, Tiefe und einer langen Tradition im Bäckerhandwerk.

Wer einmal verstanden hat, wie Roggen funktioniert, betrachtet ein Roggenbrot oft mit anderen Augen. Denn hinter jeder Scheibe steckt nicht nur Mehl und Wasser, sondern ein Weg, der auf dem Feld beginnt und erst viele Monate später in der Backstube endet.

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